Fair Fashion Siegel - Was steht dahinter?

 
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Das Bewusstsein für nachhaltig und fair produzierte Mode wächst stetig. Das ist auch gut so, aber mit steigender Nachfrage, steigt auch die Anzahl der Gütesiegel.
 

Hier den Überblick zu behalten ist daher gar nicht so einfach. 
Daher möchte ich Dir heute kurz aber hoffentlich knackig eine kleine Übersicht zu den geläufigsten Sigeln geben.
Auch möchte ich kurz auf das Thema "Greenwashing" eingehen und Deine Sinne etwas schärfen.

Wenn Du jetzt gerade keine Lust hast zu lesen, dann kannst Du den Beitrag in Kürze ganz entspannt im Podcast lauschen oder ihn Dir für später pinnen.


 
 

Die Glaubwürdigkeit eines Unternehmens ist gegeben wenn das Unternehmen sich extern und unabhängig prüfen lässt
Es muss erkennbar sein, wofür genau das Siegel steht - Produktion, Rohstoffe oder beides..
Die Vergabekriterien eines Siegels müssen transparent und somit überprüfbar sein.


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GOTS - Global Organic Textile Standard

Mit eines der bekanntesten Siegel. Der Standard regelt die gesamte Produktionskette, vom Rohstoffanbau bis zum Endprodukt, auch nach sozialen Mindeststandards. 
Es gibt zwei Grade GOTS-zertifizierter Kleidung. 

Stufe 2 (made with organic):
Mindestens 70% der Textilien stammen biologisch erzeugten Naturfasern.
Bis zu 30% aus Recyclingfasern wie recyceltes Polyester. Die Mischfaserkleidung bekommt das GOTS-Siegel, ist aber weder biologisch abbaubar noch so richtig recyclingfähig.

Stufe 1  (organic) :
Sogar mindestens 95% der Textilien stammen biologisch erzeugten Naturfasern.

Siegelgeber

Hinter dem Siegel steckt die Global Organic Textile Standard International Working Group (IWG):

  • Internationaler Verband der Naturtextilwirtschaft (IVN), Deutschland
  • Soil Association (SA), England
  • Organic Trade Association (OTA), USA
  • Japan Organic Cotton Association (JOCA), Japan


Alle drei Jahre wird das Siegel angepasst und optimiert.

Ziel

Einen weltweit einheitlichen, kontrollierbaren, sozialen und ökologischen Standard aufbauen, der die gesamte Produktionskette umfasst und transparent macht. Inhaltlicher Schwerpunkt ist der Einsatz von Chemikalien während der Herstellung.

Kriterien

Zugelassen sind Naturfasern aus kontrolliert biologischem Anbau (KBA) und kontrolliert biologischer Tierhaltung (KBT) 
Verboten sind gefährliche Chemikalien, die bei herkömmlichen Textilien zugelassen sind.
Umweltpolitische Standards müssen eingehalten werden (Wasser & Energieverbrauch wird kontrolliert)
Abwasserkläranlagen müssen installiert sein.
Die Verpackung darf nicht aus gefährlichen Kunststoffen bestehen, damit nichts an die Textilien gelangt.
Soziale Standards sind im Wesentlichen faire und hygenische Arbeitsbedingungen.
Es gibt keine Kinder- oder Zwangsarbeit, hygenische Vorsichtsmaßnahmen sowie Schutz zur Arbeitssicherheit sind geregelt.

Fazit

Im Bereich der sozialen Standards orientiert sich das Siegel an den Vorgaben der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO). Hier kann leise kritisiert werden, dass diese nicht weit genug gehen, da der Begriff der „existenzsichernden" Löhne nach nationalen Standards geht, was nicht immer ein Garant ist.
Es sind auch keine Trainings oder Verbesserungshilfen für die Produktionsbetriebe vorgesehen.

In der Textilproduktion verbietet GOTS zwar alle elf Detox Chemikaliengruppen, schreibt aber keine Abwasser- und Klärschlammtests für die Produktionsstandorte vor, um sicher zu testen, dass nichts in die Umwelt gelangt.

Alles in Allem - ein gutes und vertrauenswürdiges Siegel


NATURTEXTIL IVN zertifiziert BEST

Der IVN ist ein Zusammenschluss von über 100 Unternehmen aus allen Bereichen der Leder- und Textilwirtschaft. 

Es gibt zwei Siegel des IVN - für Leder und Naturtextilien. Die Standards des IVN gehen noch weit über die GOTS Standards hinaus und somit ist es das strengste Öko-Label.

Ziel

Das gemeinsame Ziel besteht darin hochwertige Naturtextilien nach strengsten ökologischen und sozialen Standards herzustellen. Angefangen von der Gewinnung textiler Rohfasern über umweltverträgliche und sozial verantwortliche Herstellung in allen Produktionsstufen bis zur Kennzeichnung der Endprodukte..

Diese Richtlinien sowie ein daran geknüpftes unabhängiges Kontrollsystem haben branchenweit anerkannte Maßstäbe für Naturtextilien geschaffen. 

Siegelgeber

Dahinter steckt der Internationale Verband der Naturtextilwirtschaft e. V. (IVN). In ihm sind Akteure der gesamten Naturtextilwirtschaft, vom Garnhersteller bis zum Händler, vertreten. Der IVN ist Mitglied in der IWG (International Working Group on Global Organic Textile Standard -GOTS -, die ebenfalls ein Siegel vergibt).

Kriterien/
Unterschiede zu GOTS

Textilien müssen zu 100% aus zertifiziert ökologischen Fasern bestehen, also komplett aus kontrolliert biologischem Anbau bzw. kontrolliert biologischer Tierhaltung. Mischfaserkleidung, vor allem mit Polyesteranteilen, ist bei IVN Best daher nicht zertifizierbar.

Es sind weniger Farben und Hilfsmittel zugelassen. Unter dem IVN BEST-Standard ist kupferhaltige Farbe nicht erlaubt. Auch das bei GOTS erlaubte Mercerisieren von Baumwollgewebe - die Veredelung mit Hilfe von Natronlauge - ist hier verboten.

Zutaten und Accessoires (Knöpfe, Schnallen etc.) müssen aus Naturfasern bestehen.

Das Siegel zeichnet sich durch eine höchst strenge Rückstandskontrolle im Endprodukt aus. Die fertigen Textilien durchlaufen strenge Tests, bei denen überprüft wird, ob sie auch tatsächlich keine gesundheitsschädlichen Stoffe enthalten, die per Abrieb oder Schweiß auf die Haut gelangen könnten. Die Grenzwerte dieser Tests sind erheblich strenger als vom Gesetzgeber vorgesehen.

Das Siegel wird für ein Jahr vergeben und anschließend wir neu geprüft

Fazit

Derzeit das strengste Siegel, das derzeit realisierbar ist. Es ist allerdings nicht so weit verbreitet wie das GOTS-Siegel, welches eine sehr gute Alternative ist.


FWF - Fair Wear Foundation 

Die Fair Wear Foundation ist ein Zusammenschluss aus unterschiedlichen Stakeholdern, darunter Wirtschaftsverbände, Gewerkschaften und NGOs. Mitgliedsunternehmen / Label verpflichten sich durch ihren Beitritt die Richtlinien der Fair Wear Foundation umzusetzen und somit die Arbeitsbedingungen der Arbeitnehmer kontinuierlich zu verbessern.

Ziel

Die Umsetzung fairer Arbeitsbedingungen für TextilarbeiterInnen. Arbeitssicherheit, Angemessene Bezahlung, keine Kinder- oder Zwangsarbeit und keine unangemessenen langen Arbeitszeiten.

Siegelgeber

Die niederländische Stiftung Fair Wear Foundation (FWF)

Kriterien

Die Fair Wear Foundation nimmt die Marken in die Pflicht, bei ihren Produzenten für faire Bedingungen für die Arbeiter zu sorgen. Der Kriterienkatalog dieser Bedingungen beruht auf der Menschenrechtserklärung und den Richtlinien der ILO (internationale Arbeitsorganisation).
Die Kontrollen finden einmal jährlich als Performance-Checks statt. Wenn ein Unternehmen die Mindeststandards nicht erfüllt oder zwei Jahre in Folge „Verbesserungsbedarf“ bescheinigt bekommt, wird es suspendiert. Schneidet es im Jahr darauf nicht besser ab, wird die Marke aus der Fair Wear Foundation ausgeschlossen.

Spontane Inspektionen in den Produktionsbetrieben werden jederzeit nach Beschwerden oder bei Verdacht durchgeführt. Zudem werden regelmäßig anonyme Interviews mit den Arbeiterinnen außerhalb der Fabriken geführt, um ein unverfälschtes Bild zu bekommen.
Die Marken und deren Performance-Check kann auf der Seite der Foundation durch den Verbraucher geprüft werden.

Fazit

Das FWF-Siegel ist nur ein Siegel für faire Arbeitsbedingungen. Ökologische Aspekte werden nicht für die Zertifizierung berücksichtigt.
Das Label dürfen nur Marken nutzen, die im Rating als Leader ausgezeichnet wurden.


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FAIRTRADE

Das Fairtrade-Siegel ist ein Sozialsiegel. Kleinbauern erhalten einen garantiert kostendeckenden Preis für ihre Güter, auch wenn die Weltmarktpreise schwanken. Es wird auf langfristige Handelsbeziehungen zwischen allen Handelspartnern gesetzt. Eine zusätzliche Fairtrade-Prämie wird in gemeinschaftliche Projekte gesteckt.

Bestimmte Pestizide sind verboten, ökologische Bewirtschaftung wird belohnt. Dennoch ist das Fairtrade-Siegel nicht gleichzusetzen mit dem EU-Bio-Siegel, was auch nicht 100%ig ist.

Ziel

Lebens- und Arbeitsbedingungen der Arbeiter in der Textilindustrie zu verbessern. Zudem unterstützt es eine umweltverträgliche Produktion. Das Siegel beinhaltet auch, Händler von Textilien mit Hilfe von Lizenzverträgen zu fairen Handelsbedingungen zu verpflichten.

Siegelgeber

Siegelinhaber ist der Dachverband FLO e. V. (Fairtrade Labelling Organizations International). Er entwickelt die Kriterien für den Fairen Handel. Nationale Mitgliedsorganisationen wie zum Beispiel TransFair e.V. vermarkten das Siegel.

Kriterien

Das Siegel garantiert faire Arbeitsbedingungen, die Baumwollbauern erhalten Mindestpreise für ihre Baumwolle. Für Bio-Anbau zahlt Fairtrade Zuschläge und fördert die Umstellung. Der Einsatz von synthetischen Pestiziden und Düngern ist eingeschränkt, Gentechnik verboten. Mit diesem Siegel versehene Textilien müssen zu 100 % aus Fairtrade-zertifizierter Baumwolle bestehen.

Für die Weiterverarbeitung der Baumwolle verlangt Fairtrade einen „Nachweis über die Einhaltung der ILO-Standards, überprüft selbst aber nur die Arbeitsbedingungen im Baumwollanbau.

Fazit

2016 hat FAIRTRADE einen sehr umfassenden Textilstandard veröffentlicht, der die ganze Lieferkette umfasst. Er existiert zusätzlich zur Fairtrade-zertifizierten Baumwolle. Das neue Siegel kontrolliert und zertifiziert nach Einhaltung der ILO-Kernarbeitsnormen, Kriterien sind unter anderem Löhne zum Leben (mit einer transparenten Übergangsfrist von sechs Jahren), Arbeitsschutz, sichere Arbeitsbedingungen und gestärkte Arbeitsrechte. Auch grundlegende ökologische Anforderungen gehören dazu. Ein zusätzliches Fairtrade-Programm unterstützt die Arbeiter und Fabriken vor Ort. Positiv ist auch die detaillierte Information am Endprodukt: Dort steht etwa, ob die jeweilige Firma bereits existenzsichernde Löhne zahlt. Bislang gibt es drei Lizenznehmer: Brands Fashion, Melawear und 3Freunde.


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Ökotex

Es ist der am weitesten verbreitetste Standard. Sogar beim Discounter gibt es derzeit ÖKO-TEX-Textilien. Er dient lediglich den Verbraucherschutz, indem sichergestellt wird, dass keine Schadstoffrückstände im Endprodukt zu finden sind. Für Herstellung und Umweltschutz macht Oeko-Tex Standard 100 keine Auflagen

Ziel/
Kriterien

OEKO-TEXT - Made in Green

Die bessere Alternative ist das ÖKO-TEX Made in Green Siegel, es kennzeichnet garantiert schadstofffreie Textilprodukte, die umweltfreundlich und sozialverträglich hergestellt wurden.
Made in Green aus der OekoTex-Familie hat sich zu einem strengen Standard entwickelt. Die Fabriken müssen nach dem Programm „Sustainable Textile Production“ (STeP) Chemikalienmanagement, Umweltleistung, Umweltmanagement, Arbeitssicherheit, soziale Verantwortung sowie Qualitätsmanagement überprüfen. Die Endprodukte – egal welcher Faser – sind nach Oeko-Tex Standard 100 schadstoffgeprüft.
Das Siegel wird für die Dauer eines Jahres vergeben, danach muss es neu ausgestellt werden.
 

Siegelgeber

Beide Siegel werden durch die Internationale Oeko-Tex® Gemeinschaft vergeben. Dies ist ein Zusammenschluss von Textilforschungs- und Prüfinstituten.


Okay, das war jetzt ganz schön viel Input und es gibt noch viel mehr Siegel. Ich wollte Dir aber hier einen kurzen Überblick über die geläufigsten Siegel geben. 
Wenn Du noch weitere Informationen zu anderen Siegeln erhalten möchtest, dann schau doch mal bei Siegelklarheit vorbei.
 

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Greenwashing

Ja, mittlerweile gibt es sehr viele Sigel. Die Nachfrage und das Bewusstsein wachsen und Marktforschungen haben ergeben, dass ein Siegel die Kaufentscheidung maßgeblich beeinflusst.

Auf diesen Zug springen also auch nun die großen der Branche auf. Hierbei sollte man aber immer vorsichtig sein und sich überlegen, ob die Initiativen und Ambitionen in der Gesamtbewertung wirklich etwas ausmachen.
 

Dazu mal ein paar Beispiele:

Ein namhafter Sportartikelhersteller verkauft nun Schuhe aus Oceanplastik, was wirklich eine sehr gute Sache ist.
Doch wie viel macht das in der Gesamtheit der Produkte, die die Marke herstellt, aus?
Die Trikots, Sneaker und vielen anderen Produkte werden hergestellt wie bisher. Weder fair noch besonders nachhaltig.

Ein bekannter Fast-Fashion-Hersteller, der täglich neue Ware anbietet hat nun eine Kollektion, die nachhaltig und fair hergestellt sein soll. Welchen Anteil hat diese eine Kollektion an den gesamt verkauften Kollektionen?
Auch müsste man sich hier fragen, wie genau hier fair und nachhaltig ausgelegt sind. Ist es transparent?


Damit will ich nur sagen, dass man bestimmte Dinge einfach auch mal kritisch hinterfragen sollte.
 

Die  großen in der Branche könnten wirklich etwas bewegen und daher ist es schade, wenn die Initiativen, die erstmal wirklich gut sind, in der Gesamtheit betrachtet nicht wirklich viel ausmachen.